Stromnetz wird moderner

(vom 04.11.2015)

Der Vergleich drängt sich angesichts der Örtlichkeit geradezu auf: Im Umspannwerk bei der alten Spinnerei laufen für einen großen Teil des Stromnetzes der Stadtwerke Ettlingen alle Fäden zusammen.

v.l.n.r.: Wolfgang Mayer und Michael Eisele im Umspannwerk \\"Spinnerei\\"

110.000 Volt kommen über die Hochspannungsleitungen auf den imposanten Transformatoren im Freigelände an, die wiederum 20.000 Volt über Strom-Sammel-Schienen aus Kupfer ins Innere des Umspannwerks schicken. Dort stehen 17 Leistungsschalter, die gewissermaßen den Strom in für die Haushalte nutzbare 320 oder 400 Volt umwandeln, ihn verteilen und weiter auf die Reise über die rund 250 Trafostationen zu den Bürgern schicken. Im Zuge der groß angelegten Einbindung aller Ettlinger Ortsteile in das Netz der SWE wurde nun das Umspannwerk um zwei auf nunmehr 19 Leistungsschalter erweitert.

Die halbe Innenstadt von Ettlingen, oder um genauer zu sein: alle innerstädtischen Haushalte östlich der AVG-Bahnlinie beziehen über das Umspannwerk im Albtal ihren Strom. Ab dem kommenden Jahr werden es sogar noch mehr Haushalte sein: Denn ab dann bekommen auch Bürgerinnen und Bürger in Schöllbronn, Schluttenbach und Spessart ihren Strom über das eigene SWE-Netz und nicht mehr wie bisher über das Netz der EnBW – dafür wurden nun die beiden Leistungsschalter im Umspannwerk eingebaut und in die bestehende Struktur eingebunden.

40.000 Euro kostet solch ein Leistungsschalter, der wie ein großer Schaltkasten ausschaut und etwa 700 Kilogramm wiegt. „Mit den haushaltsüblichen, zehn Euro teuren Leistungsschaltern im Privathaus haben unsere Schalter wenig zu tun“, schmunzelt Wolfgang Mayer, Leiter der Netzwerkstatt von der SWE Netz GmbH. Zwar wird dort auch – ganz einfach gesprochen – die Energie verteilt und der Stromfluss am Laufen gehalten oder unterbrochen. Aber das war es dann auch schon mit der Gemeinsamkeit. Die Anlage erzeugt im Inneren ein Luftvakuum, sodass es nicht zu einem Brand kommen kann. Außerdem schaltet sie bei Anzeichen einer Störung automatisch ab – und zwar bereits im Vorfeld einer Störung innerhalb von 300 Millisekunden. Der Strom wird dann auf andere Leitungen umgeleitet.

Alle fünf Sekunden wird die Teilchenentladung gemessen, und die Ergebnisse an die SWE-Leitstelle gefunkt. Bei Feuchtigkeit oder einem defekten Modul wird somit schon vor einem Schaden und einer damit verbundenen Störung die Anlage abgeschaltet. Die Kunden bekommen davon nichts mit: Denn die Versorgung wird dann von den anderen Leistungsschaltern mit übernommen und sichergestellt. „Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir bei den SWE über ein intelligentes Netz verfügen, das unseren Kunden eine höchstmögliche Versorgungssicherheit bietet“, betont Mayer.

Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit sind ohnehin die beiden Hauptmotivationen der SWE Netz GmbH für ihre auf zwei Jahre ausgelegte große Netzmodernisierung. Im Frühsommer hat der regionale Versorger mit den Arbeiten begonnen, damit zukünftig alle Ettlinger Ortsteile direkt über Erdkabel an das SWE-Netz angebunden sind und die teilweise noch genutzten oberirdischen Leitungen der EnBW abgebaut werden können. „Oberirdische Leitungen sind gegenüber Erdkabeln bedeutend wartungs- und störungsanfälliger“, stellt Mayer heraus.

1,6 Millionen Euro investiert die SWE Netz für diese umfangreichste Erweiterungs- und Modernisierungsmaßnahme im Ettlinger Stromnetz seit rund 40 Jahren. Insgesamt werden 14 Kilometer neue Leitungstrassen gegraben und 19 Kilometer 20 KV-Leitungen verlegt. Aber damit nicht genug: Auch die weitere Infrastruktur des Netzes muss mitwachsen. Daher ist die Erweiterung des Umspannwerks bei der alten Spinnerei eine weitere wichtige Etappe. Und wie bei bisher allen Arbeiten der vergangenen Monate wurde diese Etappe in der vorgegebenen Zeit und im eingeplanten Kostenbudget bewältigt. „Wir sind bei allen Maßnahmen hundertprozentig im Plan“, kann Sven Scherer, Prokurist bei der SWE Netz GmbH, verkünden.

„Das A und O ist eine sorgfältige Planung“, betont Mayer. Allein auf die Erweiterung des Umspannwerks hat sich das Team der SWE Netz rund acht Monate lang vorbereitet. Denn schließlich ist es nicht damit getan, zwei Schaltkästen einzubauen: „Da wir gewissermaßen in das Herz der Stromversorgung eingreifen ist es die größte Herausforderung, den Herzschlag nicht zu unterbrechen“, erklärt der für die Umspannwerke zuständige Techniker Michael Eisele. Und wie bei jeder guten Operation waren die SWE-Spezialisten bestmöglich abgesichert und auch auf Notfälle vorbereitet. Eisele: „Die komplette Stromversorgung über die Anlage läuft zweispurig, sodass wir wie auf der Autobahn stets nur eine Fahrbahn gesperrt und eine Spur offen gehalten haben.“

„Unsere Arbeit ist an sich ganz einfach“, betont Mayer. „Wenn niemand von unseren Tätigkeiten etwas mitbekommt, haben wir alles richtig gemacht.“ Dementsprechend erfolgreich waren die Arbeiten. Denn: Beide neuen Leistungsschalter sind seit wenigen Tagen eingebaut ohne dass es ein Kunde bemerkt hat.

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